Was macht Röntgenstrahlung gefährlich?
Röntgenstrahlen sind eine bestimmte "Form" von elektromagnetischen Wellen, auch das sichtbare Licht entspricht elektromagnetischen Wellen. Im Gegensatz zum Licht ist Röntgenstrahlung jedoch wesentlich energiereicher, es ist in der Lage chemische Bindungen aufzubrechen. Wird ein Körper einer Röntgenstrahlung ausgesetzt, geht ein geringer Teil der Energie der Röntgenstrahlen auf den Körper über. Hierbei kommen mehrere physikalische Phänomene zum tragen, die hier nicht näher erläutert werden sollen. Alle Substanzen in einer Körperzelle können prinzipiell hierbei geschädigt werden, letztendlich sind jedoch nur Schäden der Erbsubstanz (DNA) von praktischer Bedeutung.
Schäden der DNA der Keimzellen (Eizelle, Spermien) können zu vererbbaren Erkrankungen führen, Schäden der DNA der Körperzellen können zu Krebserkrankungen führen. 99,9% der DNA-Schäden werden durch körpereigene Reparaturmechanismen beseitigt. Nicht alle Körperzellen reagieren jedoch gleich empfindlich auf Röntgenstrahlen.
Die Belastung durch Röntgenstrahlen hängt sowohl von der Höhe der Strahlendosis als auch vom Ort der Bestrahlung ab! Aus diesem Grunde werden bei Dosisabschätzungen die Bestrahlung kritischer Organe stärker gewichtet. Über komplizierte Rechnungen läßt sich nun eine vergleichbare effektive Dosis berechnen, die in Millisievert pro Jahr (mSv/a) angegeben wird.
Verschiedene Strahlenbelastungen im Vergleich
Nicht nur Röntgenstrahlung führt zu einer Strahlenbelastung.
| - | Kosmischer Strahlung | 0,3 | mSv/a | |
| - | Erdstrahlung | 0,5 | mSv/a | |
| - | natürlicher Radoninhalation | 1,3 | mSv/a | |
| - | Aufnahme natürlicher radioaktiver Stoffe | 0,3 | mSv/a | |
| 2,4 | mSv/a |
| - | Kerntechnischen Anlagen | < 0,01 | mSv/a | |
| - | Anwendung radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlung in Forschung, Technik und Haushalt | < 0,01 | mSv/a | |
| - | Fall-out von Kernwaffenversuchen | < 0,01 | mSv/a | |
| - | Anwendung radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlung in der Medizin | 1,5 | mSv/a | |
| 1,53 | mSv/a |
Die Strahlenbelastung in der Medizin hat somit einen nicht unerheblichen Anteil an der gesamten Strahlenbelastung der Bevölkerung, der weitaus größte Anteil entfällt hierbei jedoch auf wenige, schwerkranke Patienten.
| - | Die durchschnittliche Strahlenbelastung durch das Reaktorunglück in Tschernobyl in Deutschland lag 1990 bei | 0,025 | mSv/a |
| - | 100 Stunden Farbfernsehen (3m) entsprechen | 0,01 | mSv/a |
| - | 100 Stunden vor einem Bildschirm (0,5 m) | 0,12 | mSv/a |
| - | 10 stündige Flugreise | 0,1 | mSv/a |
| - | Zunahme der kosmischen Strahlenbelastung in 2000 m Höhe gegenüber Meereshöhe | 0,6 | mSv/a |
| - | Regionaler Unterschied der natürlichen Strahlung innerhalb von Häusern in Deutschland | 0,6 | mSv/a |
Eine jährlich einmalige Röntgenuntersuchung der folgenden Untersuchungsart führt zu einer zusätzlichen effektiven Dosis:
| - | Zahnuntersuchungen: | 0,02 | mSv | |
| - | Röntgenaufnahme: | Schädel Rippen Thorax (Lunge) Bauchraum Halswirbelsäule Brustwirbelsäule Lendenwirbelsäule Becken |
0,2 3,0 0,2 0,3 2,0 5,0 0,4 0,1 |
mSv mSv mSv mSv mSv mSv mSv mSv |
| - | Mammographie: | (Film-Folien-System ohne Raster) | 1,0 | mSv |
| - | Computertomographie: | Schädel Thorax (Lunge) Bauchraum |
2 10 7 |
mSv mSv mSv |
| - | Angiographie (DSA): | Herz (Herzkatheter) Nieren |
10 10 |
mSv mSv |
| - | Durchleuchtung: | MDP Kolon KE Thorax (Lunge) |
6 3 1,5 |
mSv mSv mSv |
Risikoabschätzungen im Vergleich
In der folgenden Tabelle werden die Risiken, durch eine einmalige Röntgenuntersuchung der aufgeführten Regionen im Laufe des Lebens an einer strahleninduzierten Krebserkrankung zu versterben, in Relation zu anderen Risiken gesetzt. Die Risikoabschätzungen gelten für gesunde Menschen im mittleren Lebensalter.
| Untersuchung | Risiko | Vergleichbares Risiko |
|---|---|---|
| Röntgenuntersuchung - Hand - Zahn | 1:10 Millionen | Innerhalb eines Monats vom Blitz erschlagen |
| Röntgenuntersuchung - Ellenbogen - Knie | 1:1 Million | Innerhalb eines Jahres vom Blitz erschlagen |
| Röntgenuntersuchung - Lunge - Schädel | 1:100 000 | Innerhalb von 10 Jahren vom Blitz erschlagen |
| Röntgenuntersuchung - Brustwirbelsäule - weibliche Brust | 1:40 000 | Innerhalb von 3 Monaten einen tödlichen Verkehrsunfall erleiden |
| Computertomographie - Kopf - Beinvenen (Phlebographie) - Harntrakt (Urographie) | 1:10 000 | Innerhalb eines Jahres einen tödlichen Verkehrsunfall erleiden |
| Magen (MDP) Dünndarm (Sellink) Computertomographie - Wirbelsäule | 1:2000 | Innerhalb von 5 Jahren einen tödlichen Verkehrsunfall erleiden |
| Dickdarm (Kolon KE) Angiographie Computertomographie - Thorax (Lunge) | 1:1000 | Innerhalb von 10 Jahren einen tödlichen Verkehrsunfall erleiden |
In der Regel dauert es viele Jahre bis eine strahleninduzierte Krebserkrankung auftritt. Für die Leukämie (Blutkrebs) geht man in diesem Dosisbereich von 15 Jahren, für andere Krebsformen von 40 Jahren aus.
Ein letztes Beispiel:
Jeder vierte Mensch stirbt bei uns an einer Krebserkrankung. Dies entspricht somit einem Risiko von 25%. Durch eine einmalige Röntgenuntersuchung der Lunge erhöht sich das Risiko auf 25,001%. Durch eine veränderte Lebensweise läßt sich das Risiko um 5% verringern oder entsprechend erhöhen!
Jede Röntgenuntersuchung birgt letztendlich ein unkalkulierbares Risiko. Aus diesem Grunde dürfen Röntgenuntersuchungen nur bei entsprechender Indikation durchgeführt werden, das heißt, nur dann, wenn das Unterlassen einer Röntgenuntersuchung ein höheres Risiko beinhaltet als die Untersuchung selbst.
Die Ausstellung eines Röntgenpasses gibt Ihnen einen Überblick über Ihre persönlichen Aufnahmen und verhindert unnötige Doppeluntersuchungen! Einen solchen Pass erhalten Sie in jeder unserer Röntgenabteilungen.
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