Die Bonner Heroinambulanz

Als erste deutsche Stadt  hat nach  intensiven Vorbereitungen die Bundesstadt Bonn im März 2002 mit der Behandlung der ersten TeilnehmerInnen zur der multizentrischen klinischen Arzneimittelstudie „Heroingestützte Behandlung Opiatabhängiger“ begonnen.

Durch die heroingestützte Behandlung in Bonn soll erreicht werden, daß

  • sich der körperliche und psychische Gesundheitszustand der Drogenabhängigen verbessert
  • die Beschaffungskriminalität zurückgeht
  • eine Arbeitsfähigkeit hergestellt wird
  • eine Aufnahme neuer sozialer Kontakte außerhalb der Drogenszene erfolgen kann
  • die Abhängigkeit langfristig überwunden werden kann
  • Trägerschaft: Universitätsklinikum Bonn und Ambulante Suchthilfe Caritas / Diakonie

    Die Bundesstadt Bonn hat mit der Behandlung im Rahmen der Arzneimittelstudie am 04.03.2002 unter gemeinsamer Trägerschaft des Universitätsklinikums Bonn und von Caritas/Diakonie begonnen. Die Heroinbehandlung wird in der hierfür fertig gestellten Ambulanz auf dem Gelände der Poliklinik Bonn durchgeführt. Die Trägerschaft erfolgt gemeinsam durch die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und die Medizinische Poliklinik des Universitätsklinikums Bonn. Dadurch ist gewährleistet, dass die ärztliche Versorgung durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von PsychiaterInnen und Internisten erfolgen kann. Die Behandlung der Kontrollgruppe ist im März 2004 abgeschlossen worden.
    Der gesamte Teil der Psychosozialen Betreuung (Drogenberatung / Psychoedukation) wird durch die MitarbeiterInnen der ambulanten Suchthilfe Caritas / Diakonie vor Ort sicher gestellt.

    Rekrutierung der Patienten

    In der Bundesstadt Bonn wurde mit der Rekrutierung der TeilnehmerInnen zur der multizentrischen klinischen Arzneimittelstudie „Heroingestützte Behandlung Opiatabhängiger“ am 15.12.2001 begonnen.  Personen, die sich für das Modellprojekt „Heroingestützte Behandlung Opiatabhängiger“ interessierten, konnten sich zu festgelegten Sprechstunden im Gesundheitsamt informieren und zur Studienteilnahme anmelden. Dazu flankierend wurden durch die Prüfärzte den verschiedenen Einrichtungen der Drogenhilfe, bei den substituierenden ÄrztInnen, in Krankenhäusern etc. Informationsveranstaltungen über das Projekt durchgeführt.
    Mit Unterstützung der Streetworkerinnen der Aids-Initiative Bonn e.V . wurde die Drogenszene direkt kontaktiert, um insbesondere die in der Studie festgelegte Zielgruppe der bisher durch das Hilfesystem noch nicht oder nur ungenügend erreichten Drogenabhängigen über eine Teilnahme zu informieren. Ebenso wurden in der Drogentherapeutischen Ambulanz des Vereins für Gefährdetenhilfe e.V. Sprechstunden angeboten.

    Nachdem die Interessierten durch den Prüfarzt in das Anmeldeverfahren eingeschlossen wurden, folgten nun intensive medizinische Untersuchungen und Befragungen der ProbandInnen. Danach erst wurde durch den Prüfarzt entschieden, wer die Teilnahmebedingungen an der Studie erfüllt.

    Diejenigen BerwerberInnen, die die notwendigen Einschlußkriterien erfüllten, wurden durch die Prüfärzte einer lokalen Expertenkommission, bestehend aus SuchtexpertInnen verschiedener Berufsgruppen, vorgestellt. Im Falle eines positiven Votums durch diese Kommission erfolgte dann der eigentliche Einschluß in die Studie.
    Die ProbandInnen wurden per Zufallsprinzip (ohne jegliche Möglichkeit einer Einflussnahme durch die ProbandInnen oder Behandelnden) der Heroinbehandlung (Experimentalgruppe) oder der Methadonbehandlung (Kontrollgruppe) zugelost. Hierzu wurden jeweils in den nächsten Tagen in der Methadonambulanz die Randomisierungsumschläge geöffnet.

    Behandlungsbeginn: 04.03.2002

    Insgesamt sind in Bonn wie vorgesehen 100 ProbandInnen in die Studie aufgenommen worden, wobei jeweils 50 Personen der Methadonbehandlung bzw. der Heroinbehandlung zugeordnet wurden. Die TeilnehmerInnen der Kontrollgruppe haben nach einem Jahr ggf. die Möglichkeit, auf freigewordene Plätze in  die Heroinbehandlung zu wechseln. Die PatientInnen der Heroinbehandlung können bis zu drei mal in der Heroinambulanz erscheinen, um sich dort streng kontrolliert die Prüfsubstanz Diamorphin zu verabreichen. Alle StudienteilnehmerInnen werden mit Behandlungsbeginn psychosozial vor Ort in der jeweiligen Ambulanz betreut.

    Behandlung läuft erfolgreich

    Bis zum aktuellen Zeitpunkt stellt sich die Behandlung als problemlos durchführbar und erfolgreich dar. Sowohl aus medizinischer als auch aus psychosozialer Sicht profitieren die Teilnehmenden sichtbar von der Behandlung. Nach Abschluß der einjährigen Kontrollgruppenbehandlung hatten einzelne Patienten die Chance, auf freigewordene Plätze in der Heroinbehandlung nachzurücken - auch bei diesen ist nach einiger Zeit eine deutliche Stabilisierung zu verzeichnen.

    März 2006: Studienergebnisse bestätigen die Erfahrungen vor Ort

    Die jetzt präsentierten wissenschaftlichen Studienergebnisse belegen eindrucksvoll, daß die heroingestützte Behandlung der Methadonbehandlung für die hier behandelte Zielgruppe langjährig Schwerstabhängiger überlegen ist: Zum einen konnten deutlich mehr Patienten in der Behandlung gehalten werden, zum anderen erreichten sie eine signifikant höhere Verbesserung hinsichtlich ihres Gesundheitszustands und der sozialen Reintegration.

    Warten auf die Zulassung

    Als nächstes müssen Zulassungsbehörden und Politik aufgrund der vorliegenden Erfahrungen und Daten über die Zulassung von Heroin als Medikament entscheiden. Insbesondere für die noch in Behandlung befindlichen Studienteilnehmer ist auf eine baldige Klärung zu hoffen.

    (Zum aktuellen Diskussionsstand vgl. z.B. unsere Presseschau)