Die Herbstmilbe Neotrombicula autumnalis,
die zu den Laufmilben (lat.: Familie Trombiculidae) gehört,
ist in den letzten 10 bis 15 Jahren in vielen Teilen Deutschlands
in Gärten, Parks und Grünanlagen zu einer enormen Plage
geworden. Eine drastische Zunahme an Trombidiose-Fällen deutet
auf eine Ausbreitung der Milben hin, die offenbar auch mit vermehrtem
Massenauftreten einhergeht. Die Ursachen hierfür sind unbekannt,
vermutlich aber sowohl anthropogener Natur als auch in veränderten
Klima- und Umweltfaktoren zu suchen. Aufgrund ihres komplizierten
Lebenszyklus' und der Tatsache, dass die Milben im Labor nicht
züchtbar sind, entzieht sich ihre Biologie und Ökologie
weitgehend unserer Kenntnis. Präferierte Habitate können
nur ansatzweise charakterisiert werden. Zum jahreszeitlichen Auftreten
und zur Verbreitung der Trombiculiden in Deutschland gibt es keine
systematischen Untersuchungen. Es ist zu vermuten, dass die Herbstmilbe
großräumig in ganz Deutschland zu finden ist, wenngleich
nicht flächendeckend und in unterschiedlichen Dichten. Ebenso
scheinen die Trombiculiden mancherorts vom Frühjahr bis zum
Spätherbst aufzutreten, in anderen Regionen nur kurzfristig
zu bestimmten Jahreszeiten, besonders im Sommer und Herbst. Derzeit
können keine verlässlichen Maßnahmen zur Bekämpfung
der Milben in einer Grünanlage oder zum persönlichen
Schutz vor Milbenbefall empfohlen werden.
Der Mensch oder andere Wirbeltiere werden nur vom
parasitisch lebenden Larvenstadium der Milben befallen. Wenn die
durch ihre Stiche verursachten Symptome (Juckreiz, Hautrötungen),
die man als Trombidiose bezeichnet, auftreten, sind die Milben
i.d.R. aber nicht mehr nachzuweisen. Da die Hautreaktionen vielfältig
und bei Insektenstichen ganz ähnlich sein können, ist
es schwierig allein aufgrund der Symptomatik sicher auf einen
Trombiculidenbefall zu schließen. Typisch sind lediglich
zahlreiche eng beieinander liegende Stiche an feuchtwarmen Körperstellen,
wie die Ränder eng anliegender Kleidungsstücke, die
Regionen unter- und oberhalb der Gürtellinie, der Oberschenkelinnenbereich,
die Kniekehlen und die Achselhöhlen (Abb. 1).
Leichter ist es, die Herbstmilbenlarven im Freiland nachzuweisen.
Während die späteren Entwicklungsstadien (Nymphen und
Imagines) normalerweise im Erdboden leben, halten sich die Larven
nämlich bei günstigen Witterungsbedingungen an der Erdoberfläche
oder in der bodennahen Vegetation auf, um von dort auf einen potentiellen
Wirt gelangen zu können. Dies geschieht, indem der Wirt die
Larven zufällig von der Vegetation abstreift, d. h. nur durch
direkten Kontakt.
Die einfachste und auch für einen Laien leicht durchführbare
Methode ist die Kachelfangmethode. Hierbei werden weiße
(oder zumindest helle) Kacheln oder Wandfliesen in mehr oder weniger
regelmäßigen Abständen (ca. 50 cm) auf der Fläche
ausgelegt, auf der man die Milben vermutet (Abb. 2).
Die
Milben werden von den hellen, Licht reflektierenden Kacheln angezogen
und wandern auf und über diese. Nach 15 bis 20 Minuten können
die Kacheln begutachtet werden. Natürlich lassen sich nun
darauf auch allerhand andere Spinnentiere und Insekten finden.
Die Trombiculidenlarven sind zwar nur ca. 0,3 mm groß, jedoch
anhand ihrer flinken Beweglichkeit und ihrer rot-orangen Farbe
gut erkennbar (Abb. 3), wenn man sie erst einmal richtig identifiziert
hat. Hierfür wird auf jeden Fall eine starke Lupe benötigt.
Ein
weiteres Charakteristikum der Trombiculidenlarven ist ihre Sechsbeinigkeit.
Normalerweise besitzen Spinnentiere vier Beinpaare (im Gegensatz
zu Insekten mit drei Beinpaaren); nur die Larven der Milben (so
übrigens auch die der Zecken) sind noch sechsbeinig (Abb.
4).
Um die Larven zu sammeln und möglicherweise einem Spezialisten
vorzulegen, kann man sie mit einem angefeuchteten Haarpinsel von
der Kachel abtupfen und entweder in ein mit Alkohol gefülltes
Gefäß überführen oder auf einem Stück
feuchten Filterpapiers abtupfen, das man in ein Gefäß
gibt.
Zum Nachweis oder Ausschluss von Trombiculidenbefall im Garten
oder der Grünanlage sollte idealerweise flächendeckend
gearbeitet werden, d. h. die ganze Anlage sollte sukzessive mit
Kacheln ausgelegt und untersucht werden. Dabei sollten sowohl
Rasenflächen als auch Beete oder anders gestaltete ‚natürliche'
Areale einbezogen werden. Lediglich plattierte oder betonierte
Untergründe können ausgespart werden; hier können
sich die Milben nicht halten.