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Merkblatt zum Problem der Trombidiose des Menschen (Stand: 25.04.04)

 


Erreger: Die Verursacher der Trombidiose sind verschiedene Arten von Laufmilben (lat. Trombiculidae), von denen mehrere den Menschen befallen können. Im deutschen Sprachgebrauch existieren für diese Parasiten unterschiedliche Bezeichnungen, wie Herbstmilbe, Erntemilbe, Grasmilbe, Heumilbe, Herbstlaus, Pfirsichlaus u.V.m.. Die in Deutschland vermutlich häufigste Art ist Neotrombicula autumnalis, die Herbstmilbe im eigentlichen Sinne. Der Name täuscht jedoch, denn je nach Unterart, möglicherweise aber auch in Abhängigkeit vom Standort und von den Witterungsbedingungen, können Belästigungen von März bis November auftreten.

Lebenszyklus: Die erwachsenen Laufmilben und die Nymphen (letztes Larvenstadium) der Trombiculiden leben räuberisch von anderen Kleinstlebewesen. Nur die 0,3 mm großen, rotorangen sechsbeinigen Larven nehmen als echte Parasiten Gewebsflüssigkeit und Lymphe auf. Nach dem Saugen am natürlichen Wirt (v.A. Mäuse und andere Kleinsäuger sowie Vögel) lassen sie sich zu Boden fallen und häuten sich dort nach einiger Zeit zur Nymphe. In Wohnungen können sie sich nicht weiterentwickeln.

Klinische Erscheinungen: Der Mensch wird beim Aufenthalt in Milbenhabitaten bei zufälligem Kontakt befallen. Auf dem Menschen laufen die Milben zunächst oft größere Strecken, bevor sie zum Stich ansetzen. Bevorzugte Stichstellen sind feuchtwarme Hautareale, wie sie an den Rändern enganliegender Kleidungsstücke zu finden sind (z.B. Knöchel und Taille). Mit ihren Mundwerkzeugen verletzen die Milben unbemerkt die obere Hautschicht und injizieren Speichel in die Wunde. Das hierdurch vorverdaute oberflächliche Gewebe wird aufgesogen. Meist bleiben die Milbenlarven nur wenige Stunden auf dem Menschen, da sie durch scheuernde Kleidung, Kratzen oder Hygienemaßnahmen entfernt werden. Sie werden deswegen nur selten gefunden, wenn 4-36 Stunden nach dem Stich heftiger Juckreiz auftritt, der sein Maximum meist am 2.-3. Tag erreicht und länger als eine Woche andauern kann. Manche Personen, in deren Gärten die Trombiculiden nachweislich zahlreich vorkommen, bemerken die Tiere nicht, weil sie keine oder sehr unauffällige Hautreaktionen zeigen. Hier spielen vermutlich Desensibilisierungsprozesse eine Rolle; umgekehrt scheint es bei anderen Personen oft erst bei wiederholtem Befall zur Sensibilisierung zu kommen.

Therapie und Prophylaxe: Zur Linderung des Juckreizes und Verhinderung von Sekundärinfektionen, die meistens für länger anhaltende Reaktionen verantwortlich sind, empfiehlt sich eine sofortige Behandlung der Stichstellen mit 70%igem Alkohol und speziellen juckreizstillenden Mitteln (z.B. Antihistaminika) . Prophylaktisch können Repellentien (z.B. DEET) oder Insektizide (z.B pflanzliches Pyrethrum) auf Schuhe oder Kleidung aufgetragen werden.

Vorkommen der Milben im Freien: Bei einem starken Befall sind die Milben hauptsächlich in Form inselartiger Herde konzentriert. Ursache für das ungleichmäßige Auftreten ist vermutlich die Abhängigkeit der Tiere von verschiedenen Umweltfaktoren, wie z. B. ausreichender Boden- und Luftfeuchtigkeit sowie Lufttemperatur. Ein entsprechendes Mikroklima können Moos- oder Humusschichten, Mulch, Grasschnitt etc. bieten. Andererseits müssen aber auch die natürlichen Wirte (z.B. Mäuse) im selben Lebensraum vorkommen. Das Auftreten der Herbstmilben ist im Bonner Raum auf die Monate Juli bis längstens Anfang November beschränkt. Die im Frühjahr nach Aufenthalt im Garten häufig auftretenden Stiche sind vermutlich eher Vogelflöhen (Ceratophyllus gallinae) und anderen Parasiten zuzuschreiben.

Bekämpfung: Pauschale Empfehlungen zur Milbenbekämpfung können nicht gegeben werden, da bisherige Bekämpfungsmaßnahmen sehr widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Eigenen Forschungsergebnissen zufolge scheint aber die Rolle der Nagetiere im Garten für das massenhafte Auftreten der Larven im Sommer nicht vordergründig zu sein, so dass eine Beseitigung der Nistplätze von Nagetieren das Belästigungsproblem wahrscheinlich nicht lösen wird. Im Hinblick auf das Mikroklima (s.o.) könnte eine Reduktion der Luftfeuchtigkeit in Bodennähe durch gartenpflegerische Maßnahmen erfolgreich sein. Vom Einsatz von Insektiziden resp. Akariziden muss wegen der Umweltbelastung und ungenügender Wirkung abgeraten werden. Letztendlich sind für eine Problemlösung weitere Erkenntnisse zur Trombiculidenbiologie erforderlich.

Ergänzender Hinweis: Bei der Suche nach Informationen zu den Trombiculiden ist zu beachten, dass die Vielzahl der deutschen Bezeichnungen für N. autumnalis zu Konfusionen führen kann: Die Bezeichnung 'Grasmilbe', die für die Herbstmilbe sehr verbreitet ist, wird z. B. auch für eine ebenfalls rot gefärbte Spinnenmilbenart (Bryobia gramineum) verwendet. Diese ist für den Menschen harmlos!

Kontakt: Dr. rer. nat. Helge Kampen, Institut für Medizinische Parasitologie der Universität Bonn, Sigmund-Freud-Str. 25, 53105 Bonn, E-Mail: hkampen@parasit.meb.uni-bonn.de.

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