Erreger:
Die Verursacher der Trombidiose sind verschiedene Arten von Laufmilben
(lat. Trombiculidae), von denen mehrere den Menschen befallen
können. Im deutschen Sprachgebrauch existieren für diese
Parasiten unterschiedliche Bezeichnungen, wie Herbstmilbe,
Erntemilbe, Grasmilbe, Heumilbe, Herbstlaus, Pfirsichlaus u.V.m.. Die in
Deutschland vermutlich häufigste Art ist Neotrombicula
autumnalis, die Herbstmilbe im eigentlichen
Sinne. Der Name täuscht jedoch, denn je nach Unterart, möglicherweise
aber auch in Abhängigkeit vom Standort und von den Witterungsbedingungen,
können Belästigungen von März bis November auftreten.
Lebenszyklus:
Die erwachsenen Laufmilben und die Nymphen (letztes Larvenstadium)
der Trombiculiden leben räuberisch von anderen Kleinstlebewesen.
Nur die 0,3 mm großen, rotorangen sechsbeinigen Larven nehmen als echte
Parasiten Gewebsflüssigkeit und Lymphe auf. Nach dem Saugen
am natürlichen Wirt (v.A. Mäuse und andere Kleinsäuger
sowie Vögel) lassen sie sich zu Boden fallen und häuten
sich dort nach einiger Zeit zur Nymphe. In Wohnungen können
sie sich nicht weiterentwickeln.
Klinische
Erscheinungen: Der Mensch wird beim Aufenthalt in Milbenhabitaten
bei zufälligem Kontakt befallen. Auf dem Menschen laufen
die Milben zunächst oft größere Strecken, bevor sie zum Stich
ansetzen. Bevorzugte Stichstellen sind feuchtwarme Hautareale, wie sie an den Rändern
enganliegender Kleidungsstücke zu finden sind (z.B. Knöchel und Taille). Mit ihren
Mundwerkzeugen verletzen die Milben unbemerkt die obere Hautschicht
und injizieren Speichel in die Wunde. Das hierdurch vorverdaute
oberflächliche Gewebe wird aufgesogen. Meist bleiben die Milbenlarven
nur wenige Stunden auf dem Menschen, da sie durch scheuernde Kleidung,
Kratzen oder Hygienemaßnahmen entfernt werden. Sie werden
deswegen nur selten gefunden, wenn 4-36 Stunden nach dem Stich
heftiger Juckreiz auftritt, der sein Maximum meist am 2.-3. Tag
erreicht und länger als eine Woche andauern kann. Manche
Personen, in deren Gärten die Trombiculiden nachweislich
zahlreich vorkommen, bemerken die Tiere nicht, weil sie keine
oder sehr unauffällige Hautreaktionen zeigen. Hier spielen
vermutlich Desensibilisierungsprozesse eine Rolle; umgekehrt scheint
es bei anderen Personen oft erst bei wiederholtem Befall zur Sensibilisierung
zu kommen.
Therapie
und Prophylaxe: Zur Linderung des Juckreizes und Verhinderung
von Sekundärinfektionen, die meistens für länger
anhaltende Reaktionen verantwortlich sind, empfiehlt sich eine
sofortige Behandlung der Stichstellen mit 70%igem Alkohol und
speziellen juckreizstillenden Mitteln (z.B. Antihistaminika)
. Prophylaktisch können Repellentien (z.B. DEET)
oder Insektizide (z.B pflanzliches Pyrethrum) auf Schuhe oder Kleidung
aufgetragen werden.
Vorkommen
der Milben im Freien: Bei einem starken Befall sind die
Milben hauptsächlich in Form inselartiger Herde konzentriert.
Ursache für das ungleichmäßige Auftreten ist vermutlich
die Abhängigkeit der Tiere von verschiedenen Umweltfaktoren,
wie z. B. ausreichender Boden- und Luftfeuchtigkeit sowie Lufttemperatur.
Ein entsprechendes Mikroklima können Moos- oder Humusschichten,
Mulch, Grasschnitt etc. bieten. Andererseits müssen aber
auch die natürlichen Wirte (z.B. Mäuse) im selben Lebensraum
vorkommen. Das Auftreten der Herbstmilben ist im Bonner Raum auf
die Monate Juli bis längstens Anfang November beschränkt.
Die im Frühjahr nach Aufenthalt im Garten häufig auftretenden
Stiche sind vermutlich eher Vogelflöhen (Ceratophyllus
gallinae) und anderen Parasiten zuzuschreiben.
Bekämpfung:
Pauschale Empfehlungen zur Milbenbekämpfung können nicht
gegeben werden, da bisherige Bekämpfungsmaßnahmen sehr
widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Eigenen Forschungsergebnissen
zufolge scheint aber die Rolle der Nagetiere im Garten für
das massenhafte Auftreten der Larven im Sommer nicht vordergründig
zu sein, so dass eine Beseitigung der Nistplätze von Nagetieren
das Belästigungsproblem wahrscheinlich nicht lösen wird.
Im Hinblick auf das Mikroklima (s.o.) könnte eine Reduktion
der Luftfeuchtigkeit in Bodennähe durch gartenpflegerische
Maßnahmen erfolgreich sein. Vom Einsatz von Insektiziden
resp. Akariziden muss wegen der Umweltbelastung und ungenügender
Wirkung abgeraten werden. Letztendlich sind für eine Problemlösung
weitere Erkenntnisse zur Trombiculidenbiologie erforderlich.
Ergänzender
Hinweis: Bei der Suche nach Informationen zu den Trombiculiden
ist zu beachten, dass die Vielzahl der deutschen Bezeichnungen
für N. autumnalis zu Konfusionen
führen kann: Die Bezeichnung 'Grasmilbe', die für die
Herbstmilbe sehr verbreitet ist, wird z. B. auch für eine
ebenfalls rot gefärbte Spinnenmilbenart (Bryobia
gramineum) verwendet. Diese ist für den Menschen harmlos!
Kontakt: Dr.
rer. nat. Helge Kampen, Institut für Medizinische Parasitologie
der Universität Bonn, Sigmund-Freud-Str. 25, 53105 Bonn,
E-Mail: hkampen@parasit.meb.uni-bonn.de.
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