Bluttransfusion, Lagerungsschäden
und Maligne Hyperthermie

Besteht das Risiko einer Bluttransfusion ?
Kann ich Eigenblut spenden ?
Wie hoch ist das Infektionsrisiko einer Bluttransfusion ?
Was ist eine maligne Hyperthermie ?
Können Lagerungsschäden auftreten ?

 

Besteht das Risiko einer Bluttransfusion ?

Die Notwendigkeit einer Fremdbluttransfusion besteht , wenn bei einem sehr hohen Blutverlust während der Operation eine lebensgefährdende Situation entstünde. Es Läßt sich nie ganz ausschließen, daß eine Bluttransfusion durchgeführt werden muß. Sie können aber sicher sein, daß sich keiner der beteiligten Ärzte diese Entscheidung leichtmacht.
Wenn vorherzusehen ist, daß der Blutverlust sehr groß sein könnte, wird ein sogenannter "Cellsaver" eingesetzt. Dies ist ein Gerät, über welches Blut aus dem Operationsfeld abgesaugt wird und für eine Retransfusion aufbereitet wird. Dieses Verfahren erspart oft die Transfusion von Fremdblut.

Kann ich Eigenblut spenden ?

Wenn die Wahrscheinlichkeit besteht, daß es bei Ihrem operativen Eingriff zu einer Bluttransfusion kommen könnte, besteht die Möglichkeit einer Eigenblutspende (autologe Transfusion).
Die Eigenblutspende minimiert das Risiko von Infektionen wie HIV oder einer Hepatitis und weitgehend auch von immunologische Reaktionen. Risiken, die durch Verwechslungen von Blutproben oder Blutkonserven, sowie bakterieller Verunreinigungen durch Fehler bei der Herstellung oder bei der Lagerung der Blutpräparate entstehen, können dadurch nicht verhindert werden. Die Eigenblutspende gilt als die sicherste und risikoärmste Form der Blutübertragung.
Im Prinzip kann jeder Eigenblut spenden. Höheres Alter ist kein Ausschlußkriterium. Als Kontraindikationen gelten schwere Anämien (Blutarmut), Herz- und Lungenerkrankungen, Blutgerinnungsstörungen, sowie akute Infektionen oder ein schlechter Allgemeinzustand. Nach einer sorgfältigen Abwägung der Risiken und Beratung durch Ihren Arzt, können dann
2-3 Eigenblutkonserven etwa 4 Wochen vor der Operation entnommen werden. Sie müssen jedoch wissen, daß Ihre Blutkonserven nur für Sie und für niemanden anderes verwendet werden dürfen.
Die rechtliche Verantwortung für die Initiative und Herstellung von Eigenblutkonserven trägt der Operateur.

Wie hoch ist das Infektionsrisiko einer Bluttransfusion?

Das Risiko eine Hepatitis B, Hepatitis C oder sogar eine HIV-Infektion durch eine Bluttransfusion zu erwerben ist in Deutschland sehr gering. Alle Blutkonserven werden einer strengen Laborkontrolle unterzogen und auf infektiö,ses Material untersucht.

HIV -1, -2 Übertragung durch geprüfte, Antikörper-negative Blutkonserven

LandRest-Risiko
Deutschland, Großbritannien, Skandinavien 1:1.000.000
Frankreich 1:200.000
USA, Spanien, Italien 1:100.000
Thailand 1:10.000
Zentralafrika 1:1.000

Die Übertragung von HIV1- und HIV2-Viren durch geprüfte, Antikörper-negative Blutkonserven beträgt in Deutschland nur 1:1.000.000. Das Übertragungsrisiko steigert sich in den USA auf 1:100.000 und in Zentralafrika sogar auf 1:1.000. Dies hägt in erster Linie mit der relativ geringen Durchseuchung mit HIV in Deutschland und effektiven Laborkontrollen zusammen. Andererseits fehlt es in Zentralafrika aber auch an finanziellen Mitteln, um eine effiziente Kontrolle der Blutkonserven zu gewährleisten.
Das Restrisiko eine unerkannte HIV-Infektion zu übertragen entsteht dadurch, daß der Test im Anfangsstadium der Infektion noch negativ ausfallen kann. Erst nach einigen Wochen bilden sich Antikörper im Blut des Spenders, und der Test fällt positiv aus.

Was ist eine maligne Hyperthermie?

Die maligne Hyperthermie ist mit 1:250000 Fällen eine sehr seltene Komplikation. Ihr liegt eine Stoffwechselstörung in der Muskulatur zugrunde. Ausgelöst durch verschiedene Medikamente beginnt unter anderem die Körpertemperatur exzessiv zu steigen. Trotz rechtzeitiger Behandlung kann diese Störung tödlich verlaufen.

Dieser Narkosekomplikation liegt in der Regel eine erbliche Muskelerkrankung zugrunde. Darum ist es wichtig dem Anästhesisten mitzuteilen, wenn in Ihrer Familie eine Muskelerkrankung bekannt ist oder eine maligne Hyperthermie in Ihrer Verwandtschaft schon einmal aufgetreten ist. Nur wenn der Anästhesist dieses weiß, können Vorsorgemaßnahmen getroffen, und diese schwere Komplikation umgangen werden.

Können Lagerungsschäden auftreten?

Unter Lagerungsschäden werden Schäden an Nerven, Durchblutungsstörungen und Druckschäden an der Haut verstanden. Obwohl Lagerungsschäden insgesamt selten sind, haben sie einen Anteil von 12.7% an allen anästhesiebedingten Komplikationen.

Das Anästhesie- und das Operationsteam wird eine optimale Lagerung durchführen. Alle harten Kanten des OP-Tisches werden abgepolstert und auf Körperstellen, wie den Armplexus und auf Nerven an Armen und Beinen wird besonders geachtet. Trotzdem können durch extreme Lagerungspositionen oder Lageveränderungen während der Operation Lagerungsschäden auftreten. Diese Schäden bilden sich meistens innerhalb weniger Wochen zurück.

Informieren Sie uns vor der Operation, falls Sie in besonderer Weise gelagert werden müssen oder Sie schon vorbestehende neurologische Schäden haben. Nur so können wir bei der Lagerung Rücksicht darauf nehmen.

 

Der nächste behandelte Themenbereich betrifft die Zeit nach der Operation: "Was passiert nach der Narkose?"

Sie können sich hier aber auch einen normalen Ablauf einer Narkose in Bildern anschauen.
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15.06.2001