Allergische Erkrankungen




Wohnen in zentralbeheizten Betonplatten-Bauten ist assoziiert mit einer höheren Pollen-Sensibilisierung

Popescu M, Houzer A, Heinrich JGSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Institut für Epidemiologie, Neuherberg

Hintergrund: Innenraumfaktoren wird neben der genetischen Disposition bei der Entstehung allergischer Erkrankungen eine bedeutende Rolle zugesprochen. Die unterstellte Zunahme der Allergenexposition in den Innenräumen wird als eine der möglichen Ursachen für die beobachtete Zunahme der Atopie in den letzten Jahrzehnten diskutiert. Die vorliegende Untersuchung hatte zum Ziel, den Zusammenhang zwischen allergischer Sensibilisierung und Innenraumfaktoren in einer ostdeutschen Population zu analysieren.

Methoden: 1992/93 wurde in Sachsen-Anhalt eine repräsentative Querschnittsuntersuchung durchgeführt, bei der 2471 Kinder im Alter zwischen 5 und 14 Jahren teilnahmen. Die Erfassung der allergischen Sensibilisierung erfolgte mittels Hautpricktests, wobei eine Quaddel von mindestens 3 mm Durchmesser als positive Reaktion definiert wurde. Es wurden fünf, in der Studienregion häufig vorkommende Pollen-Allergene (lokale Gräser, Wegerich, Hasel, Beifuß und Birke) und 5 Innenraum-Allergene (Milben-Antigene der p1 und der f1, Alternaria, Aspergillum und Katzen- epithelien) getestet. In einem standardisierten Fragebogen wurden die Eltern über Erkrankungen des Kindes und über Umweltbelastungen befragt. In der vorliegenden Analyse wird der Zusammenhang zwischen Innenraumfaktoren und allergischer Sensibilisierung bei den 1061 Kindern untersucht, die seit ihrer Geburt die Wohnung nicht gewechselt haben. Es wird angenommen, daß bei diesen Kindern die Innenraumcharakteristika, die zum Zeitpunkt der Befragung angegeben wurden, über die gesamte Lebensdauer relativ konstant blieben.

Ergebnisse: Eine Reaktion gegen mindestens eines der getesteten Pollen-Allergene zeigten insgesamt 150 Kinder (14,1%). 20,2% (52/257) der Studienteilnehmer, die in einem Beton/Plattenbau lebten und über eine Zentralheizung verfügten, wiesen eine Pollen-Sensibilisierung auf, im Vergleich zu 11,5% (47/408) der Probanden, die in einem Haus ohne Zentralheizung aufgewachsen waren, das aus traditionellen Baumaterialien (Ziegel, Klinker, Fachwerk) hergestellt war (p-Wert 0,003; Odds Ratio der Pollen-Sensibilisierung 1,9; 95% KI 1,2 bis 3,1).

Eine Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben-Allergene wurde bei 8,4% aller Kinder beobachtet. 5,4% (14/257) der Kinder, die in einem zentralbeheizten Beton/Platten-bau lebten, wiesen eine Sensibilisierung gegen Milben auf, verglichen mit 10,3% (42/408) der Teilnehmer, die in einem aus traditionellen Baumaterialien hergestellten, nicht zentralbeheizten Haus aufgewachsen waren (p-Wert 0,041; Odds Ratio der Milben-Sensibilisierung 0,5; 95% KI 0,3 bis 1,0).

Die beschriebenen Assoziationen blieben nach Adjustierung für potentielle Confounder-Variablen (Geschlecht, Ort, Alter, familiäre Atopiebelastung, Ausbildung der Eltern, Vorhandensein von Geschwistern, Passivrauchen, verfügbare Wohnfläche, Teppichboden in Kinderzimmer, Nähe zu Industrieanlagen, Verkehrsaufkommen in der Wohnumgebung) bestehen.

Schlußfolgerungen: Die Ergebnisse unterstützen die Hypothese, daß Innenraumfaktoren eine bedeutende Rolle bei der allergischen Sensibilisierung spielen. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß in der vorliegenden Untersuchung eine Sensibilisierung gegen Pollen-Allergene mit Innenraumfaktoren assoziiert ist. Die genauen zugrunde liegenden Mechanismen sind noch unklar. Mikroklimatische Faktoren in den Neubausiedlungen, Unterschiede im `Training' des Immunsystems durch unterschiedliche mikrobiologischen Milieubedingungen, Strukturveränderungen der Pollen durch Chemikalien im Innenraum könnten als Ursache diskutiert werden.