Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen




Qualitätsmanagement unterstützt durch patientenorientiertes Datenmanagement

Bernd Claßen 1), Wolfgang Friesdorf 1), Sergio Konichezky 2)

1) Sektion ATV, Uniklinik Ulm; 2) ICU, Kaplan Hospital, Rehovot/IL

Einleitung:

Qualitätsmanagement wird für das heutige Gesundheitswesen zunehmend wichtiger. Voraussetzung ist ein modernes Management der Patientendaten, was bisher in der individuell geführten Krankenakte nicht zu finden ist. Schwilk et al. [2] haben für die operative Intensivmedizin ein System dargestellt, welches die meisten Aspekte eines solchen Patientendatenmanagements einschließt. Sie beziehen sich auf ein Modell, welches aus 3 Ebenen (Patient --- Organsysteme --- Variablen) besteht [1]. Ziel unserer Studie war, die Ebene der Organsysteme -- modellhaft für das respiratorische System -- weiter zu untergliedern und die für ihre klinische Bewertung wichtigsten Variablen (Schlüsselvariablen) zu erarbeiten.

Methodik:

Eine Expertenrunde ordnete die auf einer Intensivstation routinemäßig zur Verfügung stehenden Variablen dem zuvor aufgestellten hierarchischen Modell des respiratorischen Systems zu. Im nächsten Schritt haben wir möglichst vollständige Sätze dieser Variablen bei 16 verschiedenen Patienten (89 Pat.tage) in kurzen Abständen (z.T. unter 1 Stunde) erfaßt. Aus diesen (insges. 1199) Datensätzen konnten mit Hilfe eines hierfür erstellten Programms anhand von 76 definierten Ereignissen 400 selektiert werden. Hierdurch wollten wir eine zu große "Ahnlichkeit der Datensätze untereinander ausschließen. Die so gewonnenen Datensätze wurden von Intensivmedizinern bewertet. Das Statistikpaket SAS$^{TM}$ (SAS Institute) diente der Bestimmung der Korrelationen der Variablen zu den Bewertungen. Eine Variable haben wir dann als Schlüsselvariable definiert, wenn die Korrelation (nach Spearman) zwischen Variabler und Bewertung größer als 0,5 war.

Ergebnisse:

Eine hierarchische Strukturierung teilt das respiratorische System in einen physiologischen und einen therapeutischen Anteil mit verschiedenen Subkomponenten (z.B. "Sauerstofftransfer in der Lunge", "Shunt" oder "Atemwegsmanagement").

Beispiele für Schlüsselvariablen sind: Für den Sauerstofftransfer in der Lunge und den Shunt der paO2, für das Atemwegsmanagement der O2-Flow (bei Spontanatmung über Nasensonde/Maske) und die Atemfrequenz, für die Wahrscheinlichkeit eines Barotraumas Atemfrequenz und Atemwegsspitzendruck.

Bei den meisten Subkomponenten des respiratorischen Systems ergaben sich jedoch keine Schlüsselvariablen. Es ist davon auszugehen, daß die Bewertung einer Subkomponente von der Konstellation mehrer Variablen abhängt. Eine entsprechende multivariate Analyse ist in Arbeit.

Schlußfolgerungen:

Ein umfassendes Patientendatenmanagementsystem kann durch 3 Ebenen dargestellt werden [1]. Für modernes Qualitätsmanagement ist u.E. eine sorgfältige Definition dieser Ebenen erforderlich. Schlüsselvariablen können dabei helfen.

Auch wenn sich einzelne Schlüsselvariablen herauskristallisierten, ist in den meisten Fällen die Konstellation von mehreren Variablen zu berücksichtigen.

Literatur:

[1] Friesdorf W et.al. Journal of Clinical Monitoring 8 (1992) 308-314

[2] Schwilk B et.al. Care of the Critically Ill 10 (1994) 160-162

Diese Studie wird im Rahmen des MEDWIS-Projektes MIMIC durchgeführt.