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Das Dokument "Brustkrebs und Schwangerschaft" wird Ihnen angeboten durch die Universitätsklinik Bonn

 

Brustkrebs und Schwangerschaft

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Übersicht über PDQ
Beschreibung
Erklärung der Stadien
Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten
Möchten Sie mehr wissen?

Brustkrebs


Informationen aus dem PDQ für Patienten


ÜBERSICHT ÜBER PDQ

Hinweis

Die vorliegenden Angaben beruhen auf Dokumenten des National Cancer Institute der USA. Für die Richtigkeit der in dieser deutschsprachigen Version gemachten Angaben können weder das National Cancer Institute noch die Universität Bonn oder ihre Mitarbeiter eine Garantie übernehmen. Fragen Sie daher in jedem Fall ihren Arzt!

 

Was ist PDQ?

PDQ (Physicians Data Query) ist ein Computersystem, das aktuelle Informationen über Krebs, seine Vorbeugung, den Nachweis von Krebs, die Behandlung und unterstützende Maßnahmen bei Krebs bereitstellt. Dies ist eine Dienstleistung des National Cancer Institute (NCI) in den USA für an Krebs erkrankte Menschen und ihre Familien; für Ärzte, Pflegekräfte und andere Mitarbeiter in der Gesundheitsversorgung.

Um die Aktualität sicherzustellen, werden die Informationen im PDQ jeden Monat durch Experten für die Behandlung bei Krebs, die Vorbeugung, Vorsorgeuntersuchungen (Screening) und unterstützende Maßnahmen überprüft und aktualisiert. PDQ liefert auch Informationen über die Erforschung neuer Behandlungsmethoden (klinische Studien), die Adressen von Ärzten, die Krebsbehandlungen durchführen, und Krankenhäusern mit speziellen Behandlungsprogrammen für Krebspatienten. Die Behandlungshinweise in dieser Übersicht basieren auf den Übersichtsinformationen für Ärzte im PDQ bezüglich dieser Krebserkrankung.

 

Wie nutze ich das PDQ?

Sie können das PDQ nutzen, um mehr über die aktuelle Therapie verschiedener Krebserkrankungen zu erfahren. Sicherlich hilft es Ihnen, über diese Informationen mit Ihrem Arzt zu reden, der Sie und die Einzelheiten Ihrer Erkrankung kennt.

Sie sollten vor Beginn der Therapie über die Teilnahme an einer klinischen Studie nachdenken. PDQ kann genutzt werden, um mehr über diese Studien zu erfahren. Eine klinische Studie ist ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, die momentan praktizierten Behandlungsmethoden zu verbessern oder die Resultate von neuen Behandlungsmethoden für Krebspatienten zu erhalten. Klinische Studien basieren auf den Ergebnissen bereits durchgeführter Studien sowie neuen Erkenntnissen aus dem Forschungslabor. Jede Studie beantwortet bestimmte wissenschaftliche Fragen, um neue, bessere Wege der Krebsbehandlung zu finden. Es werden Informationen über neue Behandlungsmethoden, ihre Risiken und ihre mehr oder weniger gute Wirkung gesammelt. Wenn eine klinische Studie zeigt, daß eine neue Therapie besser als die zur Zeit als ''Standard'' eingesetzte ist, kann die neue Behandlungsmethode zur "Standardtherapie" werden. Eine Auflistung der momentan laufenden klinischen Studien ist Bestandteil des PDQ. Viele Ärzte, die bei klinischen Studien mitwirken, sind im PDQ aufgelistet.

Anfragen zu klinischen Studien richten Sie bitte an die Deutsche Krebsgesellschaft, Tel: 069 630096-0 in Frankfurt. Um mehr über Krebs und seine Behandlung, oder um mehr über klinische Studien bezüglich Ihrer Krebsart zu erfahren, rufen Sie bitte in Deutschland den "Krebsinformationsdienst (KID)" in Heidelberg, Tel.: 062 21 41 01 21 oder Fax: 062 21 40 18 06, in Österreich die "Krebshilfe" (Http: //www.krebshilfe.or.at/kontakte/landesorganisationen.html), Tel.: 01 796 6450-15 oder Fax: 01 796 6450-9 und in der Schweiz die "Schweizerische Krebsliga" (Http: //www.swisscancer.ch/deutsch/content/violett/beratunginfo_beratungsstellen.html), Tel.: 0800 55 88 38 an. Entsprechend geschulte Spezialisten werden Ihre Fragen zum Thema Krebs beantworten.

PDQ wird aktualisiert, sobald neue Informationen vorliegen. Überprüfen Sie anhand des Datums der letzten Aktualisierung, ob Sie wirklich die neuesten Informationen vor sich haben. Diese Zusammenfassung beinhaltet die Behandlung von Brustkrebs bei schwangeren Frauen. Es gibt gesonderte Zusammenfassungen, die Informationen über die Brustkrebs-Früherkennung (Screening), die Vorsorge und die Behandlung von Brustkrebs enthalten.

 


BESCHREIBUNG

Brustkrebs ist die häufigste Krebsform bei schwangeren Frauen oder bei Frauen, die kürzlich entbunden haben. Er tritt etwa während einer von 3000 Schwangerschaften auf. Die Patientinnen sind durchschnittlich zwischen 32 und 38 Jahre alt und die Zahl der Schwangeren, bei denen ein Brustkrebs auftritt, wird wahrscheinlich in der nächsten Zeit ansteigen, da immer mehr Frauen erst in höherem Alter ein Kind bekommen.

Schwangere oder stillende Frauen haben gewöhnlich weiche, geschwollene Brüste, so daß kleine Knoten schwer zu entdecken sind. Dies kann zu einer Verzögerung in der Diagnose (Feststellung) des Brustkrebs führen. Diese Verzögerungen kommen häufig vor. Es wird von Verzögerungen von 5 bis 15 Monaten zwischen dem Beginn der Symptome und der Diagnose berichtet. Aufgrund dieser Verzögerung wird Brustkrebs gewöhnlich bei Schwangeren in einem fortgeschritteneren Stadium entdeckt, als bei nicht schwangeren Frauen.

Um Brustkrebs früh zu erkennen, sollten schwangere Frauen ihre Brüste selbst untersuchen und sich einer regelmäßigen Brustuntersuchung durch ihren Arzt als Bestandteil der üblichen Routineuntersuchungen während der Schwangerschaft unterziehen. Wenn eine Unregelmäßigkeit entdeckt wird, können ohne großes Risiko für das ungeborene Kind eine Ultraschalluntersuchung (das ist eine Untersuchung, bei der Schallwellen benutzt werden, um Tumore zu finden) und eine Mammographie (eine spezielle Röntgenuntersuchung, bei der Tumore gefunden werden können, die noch zu klein sind, um sie tasten zu können) durchgeführt werden. 25 % der Mammographien bei Schwangeren können jedoch negativ sein, obwohl ein Brustkrebs vorliegt. Deshalb ist es wichtig, daß bei jedem tastbaren Knoten eine Biopsie (Gewebeprobe für die Untersuchung unter dem Mikroskop) entnommen wird.

 


ERKLÄRUNG DER STADIEN

Wenn Brustkrebs entdeckt wurde, werden zusätzliche Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, ob der Krebs sich von der Brust aus auf andere Regionen des Körpers ausgebreitet hat. Dies nennt man Stadieneinteilung. Um eine Behandlung planen zu können, muß der Arzt das Stadium der Erkrankung kennen. Die Patienteninformationen über Brustkrebs enthalten die Erklärung der Stadien des Brustkrebs.

Die gewöhnliche Vorgehensweise, die zur Stadieneinteilung (Staging) des Brustkrebs benutzt wird, kann geringfügig verändert werden, um eine größere Sicherheit für die schwangere Frau zu erreichen. Es können auch Blutuntersuchungen durchgeführt werden.

In allen Stadien der Erkrankung kann die Gesamtüberlebenszeit bei schwangeren Frauen mit Brustkrebs geringer sein als bei nicht schwangeren Frauen. Dies ist wahrscheinlich jedoch auf die verzögerte Diagnosestellung zurückzuführen. Ein Schwangerschaftsabbruch hat offensichtlich keinen Einfluß auf den Verlauf einer Erkrankung an Brustkrebs und wird daher gewöhnlich nicht als Therapie in Betracht gezogen. Ein Schwangerschaftsabbruch kann jedoch - je nach Alter des ungeborenen Kindes - angezeigt sein, wenn die Behandlungsmöglichkeiten für die Mutter, wie Chemotherapie und Bestrahlung, bei Fortsetzung der Schwangerschaft sehr stark eingeschränkt wären.

 


ÜBERBLICK ÜBER DIE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Wie Brustkrebs behandelt wird:

Es gibt für alle Patienten mit Brustkrebs Behandlungsmöglichkeiten. Die eingesetzten Behandlungsformen werden in den Patienteninformationen über Brustkrebs beschrieben.

 

Frühstadium des Krebs (Stadien I & II)

Die empfohlene Behandlung der ersten Wahl für Brustkrebs bei Schwangeren ist die Operation. Da eine Bestrahlung das ungeborene Kind schädigen kann, ist eine veränderte (modifizierte) radikale Mastektomie die Behandlung der Wahl. Wenn die Brust erhalten werden soll, wird manchmal auch eine konservative (d.h. die Brust erhaltende) Operation durchgeführt, und mit der Bestrahlung erst nach der Entbindung begonnen. Wenn nach einer Operation eine Chemotherapie benötigt wird, sollte sie nicht während der ersten 3 Monate der Schwangerschaft durchgeführt werden. Wenn eine Chemotherapie nach dieser Zeit durchgeführt wird, führt dies in der Regel nicht zur Schädigung des Kindes. Es kann jedoch zu Frühgeburten und einem niedrigen Geburtsgewicht kommen. Das Risiko einer Hormontherapie nach einer Operation, entweder alleine oder in Kombination mit einer Chemotherapie, kann nicht eingeschätzt werden. Eine Bestrahlung sollte wegen der Risiken für das ungeborene Kind nicht während der Schwangerschaft durchgeführt werden.

 

Spätere Stadien des Krebs (Stadien III & IV)

Eine Bestrahlung sollte während der ersten 3 Monate der Schwangerschaft vermieden werden. Wie unter "Frühstadium des Krebs" weiter oben beschrieben, kann eine Chemotherapie nach den ersten 3 Monaten durchgeführt werden. Da die (werdende) Mutter möglicherweise nur noch eine begrenzte Lebenserwartung hat (nur 10% der Frauen mit Krebsstadium III oder IV überleben die nächsten 5 Jahre), und da während der Behandlung ein Risiko für das ungeborene Kind besteht, geschädigt zu werden, ist es für viele dieser Frauen wichtig, mit ihren Familien und Ärzten über die Fortsetzung der Schwangerschaft oder einen Schwangerschaftsabbruch zu diskutieren. Ein Schwangerschaftsabbruch als Behandlungsmöglichkeit verbessert jedoch nicht die Überlebenschancen der Mutter.

 

Stillen

Die Unterdrückung der Milchproduktion verbessert nicht die Überlebenschancen der Mutter. Wenn eine Operation geplant ist, sollte die Frau jedoch vorher mit dem Stillen aufhören, um die Brüste zu verkleinern und die Durchblutung zu verringern. Das Stillen sollte auch beendet werden, wenn eine Chemotherapie geplant ist, da viele Medikamente, besonders Cyclophosphamid und Methotrexat, in hohen Dosen in die Muttermilch übergehen, was den Säugling beeinträchtigen würde. Generell sollten Frauen, die eine Chemotherapie erhalten, nicht stillen.

 

Auswirkungen des Krebs auf das ungeborene Kind

Brustkrebs scheint das ungeborene Kind nicht zu beeinträchtigen, da die Brustkrebszellen scheinbar nicht von der Mutter auf das Kind übertragen werden.

 

Auswirkungen einer Schwangerschaft bei Frauen, die schon einmal Brustkrebs hatten

Die Schwangerschaft scheint keinen Einfluß auf die Überlebenszeit von Frauen zu haben, die in der Vergangenheit schon einmal Brustkrebs hatten. Auch das ungeborene Kind wird scheinbar nicht beeinflußt. Einige Ärzte raten, daß eine Frau, die an Brustkrebs litt, zwei Jahre abwarten sollte, bevor sie sich zu einer Schwangerschaft entschließt. So kann ein frühes Wiederauftreten des Krebs vorher festgestellt werden. Das kann auch Einfluß auf die Entscheidung der Frau zur Mutterschaft haben. Die Risiken einer Schwangerschaft, nachdem die Frau eine Knochenmarktransplantation und hochdosierte Chemotherapie mit oder ohne Ganzkörperbestrahlung erhalten hat, sind unbekannt, aber sie könnten in einer Frühgeburt und einem geringen Geburtsgewicht bestehen.

 


MÖCHTEN SIE MEHR WISSEN?


Um mehr über Krebs und seine Behandlung, oder um mehr über klinische Studien bezüglich Ihrer Krebsart zu erfahren, rufen Sie bitte in Deutschland den "Krebsinformationsdienst (KID)" in Heidelberg, Tel.: (0049) (0)62 21 41 01 21 oder Fax: (0049) (0)62 21 40 18 06, in Österreich die "Krebshilfe": Tel.: (0043) (0)1 796 64 50-15 oder Fax: (0043) (0)1 796 64 50-9 und in der Schweiz die "Schweizerische Krebsliga", Tel.: 0800 55 88 38 (Http: //www.swisscancer.ch/). Entsprechend geschulte Spezialisten werden Ihre Fragen zum Thema Krebs beantworten.
Datum der letzten Aktualisierung: 11/1999

Übersetzung: Dr. G. Quade, T. Ellinger, B. Burde, CaNetTransTool by B.Burde, IMBIE, Universitätsklinik Bonn(Germany)