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Das Dokument "Gliom im Hirnstamm (beim Kind)" wird Ihnen angeboten durch die Universitätsklinik Bonn

Gliom im Hirnstamm (beim Kind)

208/00362


Hinweis
Beschreibung
Erklärung der Stadien
Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten
Unbehandeltes Hirnstamm-gliom bei Kindern
Rezidivierendes Hirnstamm-gliom bei Kindern
Übersicht über PDQ


Informationen aus dem PDQ für Patienten


Hinweis

Die vorliegenden Angaben beruhen auf Dokumenten des National Cancer Institute der USA. Für die Richtigkeit der in dieser deutschsprachigen Version gemachten Angaben können weder das National Cancer Institute noch die Universität Bonn oder ihre Mitarbeiter eine Garantie übernehmen. Fragen Sie daher in jedem Fall ihren Arzt!


BESCHREIBUNG

Was ist ein Hirnstamm-Gliom (bei Kindern?)

Das Hirnstamm-Gliom beim Kind gehört zu den Hirntumoren. Ein Hirntumor ist ein Tumor ("Geschwulst"), der durch nicht normales Wachstum des im Schädel enthaltenen Gewebes entstanden ist und benigne (gutartig, d.h. ohne Krebszellen) oder maligne (bösartig, d.h. mit Krebszellen) sein kann. Das Gehirn kontrolliert wichtige Lebensfunktionen (Vitalfunktionen), wie z.B. das Gedächtnis, das Lernen, die Sinneswahrnehmung (Hör-, Seh-, Geruchs-, Geschmacks- und Berührungsempfindung) und das Gemüt ("Psyche", Gefühle, Emotionen). Es kontrolliert auch andere Teile des Körpers einschließlich der Muskeln, der Organe und der Blutgefäße. Nach der Leukämie und den Lymphomen gehören die Hirntumore zu den häufigsten Tumorarten bei Kindern.

Diese Patienteninformation bezieht sich nur auf Tumore, die ihren Ursprung im Gehirn haben (primäre Hirntumore). Hirnmetastasen, das sind Hirntumore, die aus Krebszellen bestehen, die in anderen Körperteilen entstanden sind und sich nun in das Gehirn ausgebreitet haben (sog. "Tochtergeschwülste"), werden hier nicht behandelt. Hirntumore treten sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auf; dennoch kann sich die Behandlung für Erwachsene von der für Kinder unterscheiden. (Für weitere Information sehen Sie bitte bei der PDQ-Patienteninformation über die Behandlung bei Hirntumoren nach. )

Hirnstamm-Gliome sind Tumore, die in einem Bereich des Gehirnes entstehen, der Hirnstamm genannt wird und der das Rückenmark mit dem Gehirn verbindet. Der Hirnstamm liegt im untersten Bereich des Gehirns, gerade auf der Höhe des Übergangs vom Nacken zum Hinterkopf. Gliome können schnell oder langsam wachsen, abhängig vom sog. "Grad" des Tumors. Der Grad eines Tumors wird durch mikroskopische Untersuchung von Tumorzellen bestimmt. Dabei wird untersucht, ob und wie stark sich die Tumorzellen von normalen Zellen unterscheiden. Zellen eines Tumors mit hohem Grad, also starken Unterschieden zu normalen Zellen, wachsen in der Regel schneller und sind bösartiger als Zellen mit niedrigerem Grad.

Wenn Ihr Kind Symptome hat, die von einem Hirntumor verursacht werden können, kann sein Arzt eine Computertomographie (CT) anordnen. Das ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die mit Hilfe von Computern Bilder aus dem Inneren des Körpers liefert. Eine Magnetresonanztomographie (auch MRT, NMR oder Kernspintomographie genannt) kann ebenfalls durchgeführt werden. Dies ist eine Untersuchungsmethode, die der Computertomographie (CT) ähnlich ist, die aber anstelle von Röntgenstrahlen Magnetfelder zur Erzeugung von Bildern benutzt.

Häufig ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, damit festgestellt werden kann, ob ein Hirntumor vorhanden ist, und welcher Hirntumor vorliegt. Der Arzt kann während des Eingriffs eine kleine Gewebeprobe aus dem Tumor entnehmen, welche dann unter dem Mikroskop untersucht wird. Dieser Vorgang wird Biopsie genannt. Manchmal wird vorsichtig ein kleines Loch in den Schädel gebohrt und dann mit einer Nadel eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen.

Die Art der Behandlung und die Heilungschancen (Prognose) Ihres Kindes hängen ab von dem Ort, wo der Tumor wächst, seiner Ausdehnung (Größe), dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand Ihres Kindes.


ERKLÄRUNG DER STADIEN

Wenn bei einem Kind ein Hirnstamm-Gliom gefunden wurde, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, um mehr Informationen über den Tumor zu bekommen. Wenn eine Biopsie durchgeführt wurde, werden die gewonnenen Zellen genau unter dem Mikroskop untersucht, um zu sehen, wie stark sie sich von normalen Zellen unterscheiden. Das Ergebnis dieser Untersuchung fließt in die Festlegung des Malignitätsgrades des Tumors ein (Grading, s.o.). Um die Behandlung Ihres Kindes planen zu können, muß der Arzt den Malignitätsgrad des Tumors wissen.

Ein "Staging", d.h. Untersuchungen, ob der Tumor sich im Körper ausgebreitet hat, welche und wieviele Lymphknoten und andere Organe er vielleicht schon befallen hat, ist beim Hirnstamm-Gliom, im Unterschied zu vielen anderen Krebsarten, nicht notwendig. Die Art der Behandlung hängt hier vielmehr davon ab, ob Ihr Kind bereits eine Behandlung erhalten hat, oder nicht.

Unbehandeltes Hirnstamm-Gliom bei Kindern

"Unbehandeltes Hirnstamm-Gliom bei Kindern" bedeutet, daß bisher außer der Behandlung von Begleitsymptomen noch keine Behandlung durchgeführt wurde.

Rezidivierendes Hirnstamm-Gliom bei Kindern

Ein Rezidiv bedeutet, daß der Krebs nach einer Therapie wieder aufgetreten ist (Rückfall). Es kann im Gehirn oder in einem anderen Teil des Körpers wiederauftreten.


ÜBERBLICK ÜBER DIE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Es gibt für alle Kinder mit einem Hirnstamm-Gliom eine Behandlung. Drei Behandlungsverfahren werden angewendet: Operation (Operative Entfernung des Tumors)

Chemotherapie (Medikamenten werden zum Abtöten der Krebszellen eingesetzt).

Abhängig von den jeweiligen Notwendigkeiten für den Patienten können eine oder mehrere Behandlungsverfahren angewendet werden.

Wenn erfahrene Ärzte zusammenarbeiten, können sie am ehesten die beste Therapie für Kinder mit einem Hirnstamm-Gliom anbieten. Die Behandlung eines tumorkranken Kindes wird häufig von einem Spezialisten für Kinder-Onkologie (pädiatrische Onkologie), einem Facharzt, der sich auf Krebserkrankungen bei Kindern spezialisiert hat, koordiniert. Zur Behandlung werden zusätzlich weitere Fachärzte hinzugezogen, die sich auf die ausgewählte Behandlungsmethode spezialisiert haben, wie Kinder-Neurochirurgen (Spezialisten für Gehirnoperationen bei Kindern), Kinder-Neurologen, Kinder-Psychologen und Ärzten für Strahlentherapie.

Nach Möglichkeit wird immer zunächst versucht, ein Hirnstamm-Gliom operativ zu entfernen. Der Neurochirurg wird versuchen, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen. Ob der Tumor vollständig entfernt werden kann, oder nicht, hängt von der genauen Lage des Tumors ab. Bei der Operation, die Kraniotomie genannt wird, wird eine kleine Öffnung in den Schädel gemacht, über die dann der Eingriff möglich ist. Wenn das Hirnstamm-Gliom an einer Stelle ist, wo es nicht entfernt werden kann, wird in der Operation nur eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen.

Weil Tumore im Hirnstamm oft nicht entfernt werden können, ist die Bestrahlung die häufigste Behandlungsmethode für Kinder mit Hirnstamm-Gliomen. Die Strahlentherapie setzt hochenergetische Röntgen- und andere Strahlen ein, um die Krebszellen abzutöten oder Tumorgewebe schrumpfen zu lassen. Die Strahlung für die Therapie von kindlichen Hirnstamm-Gliomen kommt gewöhnlich aus einer Maschine außerhalb des Körpers (externe Bestrahlung). In klinischen Studien wird erprobt, die Bestrahlung auf mehrere kleine Dosen am Tag zu verteilen (hyperfraktionierte Bestrahlung). Da eine Bestrahlung das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen kann, werden in anderen klinischen Studien Wege gesucht, die Bestrahlung zu verringern oder hinauszuzögern, besonders bei jüngeren Kindern, die noch nicht ausgewachsen sind.

Die Chemotherapie setzt Medikamente zur Abtötung der Krebszellen ein. Sie kann in Tablettenform verabreicht werden, in eine Vene gespritzt werden oder sie wird in einen Muskeln gegeben. Chemotherapie wird auch "systemische Therapie" genannt, da sich die Medikamente über die Blutbahn im ganzen Körpers verteilen und so den Krebs an jeder Stelle des Körpers bekämpfen können. In klinischen Studien wird erforscht, ob durch den Einsatz von Chemotherapie die Notwendigkeit einer Bestrahlung von jungen Kindern hinausgezögert oder sogar beseitigt werden kann. Ebenfalls wird untersucht, ob ein Einsatz der Chemotherapie vor oder während einer Bestrahlung eine Verbesserung der Therapie bewirkt.

Behandlung je nach Stadium

Ein "Staging", d.h. Untersuchungen, ob der Tumor sich im Körper ausgebreitet hat, welche und wieviele Lymphknoten und andere Organe er vielleicht schon befallen hat, ist beim Hirnstamm-Gliom, im Unterschied zu vielen anderen Krebsarten, nicht notwendig. Die Art der Behandlung hängt ab vom Malignitätsgrad des Tumors, vom Ort, wo der Tumor sich gebildet hat und davon, ob das Kind bereits vorher behandelt wurde, oder nicht.

Ihr Kind kann eine Behandlung erhalten, die aufgrund ihrer erwiesenen Wirkungsweise in früheren Studien mit Patienten als Standardtherapie gilt, oder Sie erwägen die Teilnahme Ihres Kindes an einer klinischen Studie. Nicht alle Patienten werden mit der Standardtherapie geheilt, und einige Standardbehandlungen haben auch mehr Nebenwirkungen als erwünscht. Aus diesen Gründen gibt es klinische Studien um neue Behandlungsarten zu testen und um bessere Behandlungen für Krebspatienten zu finden. In den meisten Teilen des Landes laufen klinischen Studien zu Hirnstamm-Gliomen bei Kindern. Wenn Sie mehr wissen wollen, fragen Sie bitte Ihren Arzt.


UNBEHANDELTES HIRNSTAMM-GLIOM BEI KINDERN

Die Art der Behandlung Ihres Kindes hängt davon ab, wo im Hirnstamm der Tumor lokalisiert ist. In manchen Fällen ist es nicht möglich, den Tumor operativ zu entfernen. Dann wird eine Bestrahlungstherapie eingeleitet. In anderen Fällen kann so viel Tumorgewebe wie möglich chirurgisch entfernt werden. Anschließend muß der Patient sorgfältig beobachtet werden, bevor eventuell weitere Therapieschritte unternommen werden. Kinder unter 3 Jahren bekommen häufig zunächst eine Chemotherapie, so daß später eine niedrigere Strahlendosis gegeben, oder die Bestrahlung hinausgezögert werden kann. Im Augenblick laufen klinische Studien, die die zweimalige Bestrahlung pro Tag (hyperfraktionierte Bestrahlung) untersuchen.


REZIDIVIERENDES HIRNSTAMM-GLIOM BEI KINDERN

Die Art der Behandlung eines rezidivierenden (wiederaufgetretenen) Hirnstamm-Glioms bei Kindern hängt davon ab, welcher Tumortyp vorliegt, ob der Tumor an der selben Stelle wie der erste Tumor wieder auftritt oder an einer anderen Stelle des Gehirns, und von der Art der Behandlung, die zuvor eingesetzt wurde. Ein Rezidiv kann vielleicht erneut operiert, oder mit einer Chemotherapie behandelt werden. Vielleicht kommt für Sie auch die Teilnahme Ihres Kindes an einer klinischen Studie zu neuen Medikamenten für die Chemotherapie in Frage.


ÜBERSICHT ÜBER PDQ

Über PDQ

PDQ ist eine umfassenede Krebsdatenbank. Sie ist verfügbar unter www.meb.uni-bonn.de/cancernet.

PDQ ist das umfassende Informationssystem des National Cancer Institute´´´´s der USA (NCI) über Krebs. PDQ ist fast vollständig unter "Http: //www.meb.uni-bonn.de/cancernet/" verfügbar. PDQ ist ein Service des NCI. Das NCI ist ein Teil des National Institutes of Health in the USA, eine Bundeseinrichtung für Biomedizinische Forschnung.

PDQ enthält Zusammenfassungen zum Thema Krebs.

Die PDQ (Physicians Data Query) Datenbank enthält aktuelle Informationen über Krebs, seine Vorbeugung, den Nachweis von Krebs, Genetische Informationen, die Behandlung, unterstützende Maßnahmen und alternative Therapiemöglichkeiten. Die meisten Dokumente sind in zwei Versionen verfügbar. Eine Version für Ärzte, die in medizinischer Fachsprache geschrieben ist, und ausführliche Fachinformationen enthält. Eine Version für Patienten, die in Laiensprache verfasst und einfach zu verstehen ist. Beide Versionen enthalten aktuelle und detaillierte Informationen zum Thema Krebs.

PDQ Krebsinformationen werden von Fachleuten entwickelt und regelmäßig aktualisiert.

Die Autoren sind Spezialisten auf dem Gebiet Krebs und angrenzenden Gebieten. Sie sind für die Erstellung und Aktualisierung verantwortlich. PDQ wird aktualisiert, sobald neue Informationen vorliegen. Überprüfen Sie anhand des Datums der letzten Aktualisierung, ob Sie wirklich die neuesten Informationen vor sich haben.

PDQ enthält auch Informationen über Klinische Studien.

In den USA werden 2/3 der Kinder mit Krebsleiden in Klinischen Studien behandelt. Klinische Studien sollen helfen, Fragen bezüglich einer Therapieverbesserung zu beantworten. Der Inhalt der Klinischen Studien basiert auf den Ergebnissen von vorangegangenen Studien und Erkenntnissen aus den Labors. Jede Klinische Studie beantwortet wissenschaftliche Fragen zur Verbesserung der Krebstherapie. Während einer Klinschen Studie werden Informationen über die Behandlung, die Nebenwirkungen, die Risiken und den Behandlungserfolg gesammelt. Zeigt eine Klinische Studie, daß die getestete Behandlung besser ist als die alte, wird die neue Behandlung für alle Patienten übernommen.

Eine Auflistung vieler nationaler und internationaler klinischen Studien ist Bestandteil des PDQ. Beschreigungen der Klinischen Studien sind sowohl für Ärzte als auch für Patienten erhältlich. Wenn Sie mehr über klinische Studien zu Krebs bei Kindern erfahren wollen, wenden Sie sich bitte an die unten auf der Seite angegebenen Stellen.

PQD enthält Informationen über Arbeitsgruppen, die sich auf Klinische Studien spezialisiert haben.

PDQ enthält Listen über Ärzte und Krankenhäuser die sich die an Krebstherapieprogrammen beteiligt sind.

Weil eine Krebserkrankung bei Kindern selten ist, werden die meisten Kinder von Spezialisten in Kliniken mit besonderen Therapiemöglichkeiten für Kinder behandelt. PDQ enthält Informationen über Ärzte und Krankenhäuser die auf die Behandlung von Kindern mit einer Krebserkrankung spezialisiert sind. Wenn Sie mehr über Spezialisten und Krankenhäuser mit Programmen zur Krebstherapie bei Kindern erfahren wollen, wenden Sie sich bitte an die unten auf der Seite angegebenen Stellen.


Um mehr über Krebs und seine Behandlung, oder um mehr über klinische Studien bezüglich Ihrer Krebsart zu erfahren, rufen Sie bitte in Deutschland den "Krebsinformationsdienst (KID)" in Heidelberg, Tel.: (0049) (0)62 21 41 01 21 oder Fax: (0049) (0)62 21 40 18 06, in Österreich die "Krebshilfe": Tel.: (0043) (0)1 796 64 50-15 oder Fax: (0043) (0)1 796 64 50-9 und in der Schweiz die "Schweizerische Krebsliga", Tel.: 0800 55 88 38 (Http: //www.swisscancer.ch/). Entsprechend geschulte Spezialisten werden Ihre Fragen zum Thema Krebs beantworten.
Datum der letzten Aktualisierung: 02/2002

Übersetzung: Dr. G. Quade, T. Ellinger, B. Burde, CaNetTransTool by B.Burde, IMBIE, Universitätsklinik Bonn(Germany)