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Das Dokument "Analkrebs" wird Ihnen angeboten durch die Universitätsklinik Bonn

 

Analkrebs

208/00022


Hinweis
Beschreibung
Erklärung der Stadien
Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten
Stadium 0 des Analkrebs
Stadium I des Analkrebs
Stadium II des Analkrebs
Stadium III-A des Analkrebs
Stadium III-B des Analkrebs
Stadium IV des Analkrebs
Rezidivierender Analkrebs
Übersicht über PDQ

 


Informationen aus dem PDQ für Patienten


Hinweis

Die vorliegenden Angaben beruhen auf Dokumenten des National Cancer Institute der USA. Für die Richtigkeit der in dieser deutschsprachigen Version gemachten Angaben können weder das National Cancer Institute noch die Universität Bonn oder ihre Mitarbeiter eine Garantie übernehmen. Fragen Sie daher in jedem Fall ihren Arzt!

 


BESCHREIBUNG

Was ist Analkrebs?

Analkrebs ist eine seltene Krebserkrankung, bei der Krebszellen im Anus gefunden werden. Der Anus ist das offene Ende des Enddarmes, durch den der Stuhl ausgeschieden wird. In der Regel ist der Krebs bei Männer häufiger am äußeren Anus, bei Frauen hingegen häufiger am inneren Anus. Sollte der Anus des öfteren rot, geschwollen und entzündet sein, kann dies ein Warnsignal für einen sich entwickelnden Krebs sein. Tumore in der behaarten Haut direkt an der Außenseite des Anus sind Hauttumore und nicht Analkrebs.

Sollten eines oder mehrere der folgenden Symptome (Anzeichen) beobachtet werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden: Blutung aus dem Enddarm (auch bei nur kleinen Mengen), Schmerz oder ein Druckgefühl im Bereich des Anus, Jucken oder Absonderungen am Anus, ein Knoten in der Nähe des Anus.

Besteht der Verdacht auf Krebs, so wird der Arzt das Äußere des Anus (Darmausgang) untersuchen und eine Rektale (Enddarm) Untersuchung durchführen. Bei dieser Untersuchung wird der Arzt - einen weichen und eingefetteten OP-Handschuh tragend - mit seinem Finger das Innere des Rektums vorsichtig nach Knoten abtasten. Nach dieser Untersuchung wird er das auf dem Handschuh haftende Material auf Blut untersuchen. Sollten bei der Untersuchung Schmerzen auftreten, so kann der Arzt auch ein Betäubungsmittel verabreichen. Es kann auch sein, daß eine kleine Gewebeprobe entnommen wird, die dann auf Krebszellen untersucht wird. Dieser Vorgang wird Biopsie genannt.

Die Heilungschance (Prognose) und die Wahl der Behandlung sind abhängig vom Stadium des Krebs (ob er auf den Anus beschränkt ist oder sich auf andere Organe ausgebreitet hat) und vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

 


ERKLÄRUNG DER STADIEN

Stadien des Analkrebs

Wurde Analkrebs entdeckt (diagnostiziert), werden weitere Untersuchungen durchgeführt, um abzuklären, ob sich die Krebszellen im Körper verbreitet haben. Dies wird "Stadieneinteilung" (Staging) genannt. Um eine Behandlung planen zu können, muß der Arzt das Stadium der Erkrankung kennen. Für den Analkrebs gelten folgende Stadieneinteilungen:

 

Stadium 0 oder Carcinoma in situ

Stadium 0 ist ein sehr frühes Krebsstadium. Der Krebs wird nur in der äußeren Hautschicht des Anus gefunden.

 

Stadium I

Der Krebs ist in die tieferen Schichten des Anus vorgedrungen; ist jedoch kleiner als zwei Zentimeter und hat noch nicht den Schließmuskel erreicht.

 

Stadium II

Der Krebs ist in die tieferen Schichten des Anus vorgedrungen, ist größer als zwei Zentimeter aber hat sich nicht auf umliegende Organe oder Lymphknoten ausgebreitet. (Lymphknoten sind kleine bohnenförmige Gewebestrukturen, welche sich überall im Körper befinden. Sie produzieren und speichern Zellen, die Infektionen bekämpfen).

 

Stadium III-A

Der Krebs hat sich entweder auf die Lymphknoten in Rektumnähe oder auf umliegende Organe ausgebreitet, etwa die Scheide oder die Blase.

 

Stadium III-B

Der Krebs hat sich auf die Lymphknoten im Bauchraum oder in der Leiste oder auf in der Nähe des Rektums liegende Organe und die dortigen Lymphknoten ausgebreitet.

 

Stadium IV

Der Krebs hat sich auf entfernt liegende Lymphknoten im Bauchraum oder Organe in anderen Regionen des Körpers ausgebreitet.

 

Rezidiv

Ein Rezidiv bedeutet, daß der Krebs nach einer Therapie wieder aufgetreten ist (Rückfall). Er kann Anus oder in anderen Teilen des Körpers wieder ausbrechen.

 


ÜBERBLICK ÜBER DIE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Wie Analkrebs behandelt werden kann

Für alle Patienten mit Analkrebs gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Drei Behandlungsverfahren werden angewendet: Eine Operation ist die gängige Art der Behandlung und Diagnose des Analkrebs. Ein Arzt kann den Krebs folgendermaßen entfernen: Dann wird ein künstlicher Darmausgang ("Anus praeter" oder "Stoma") angelegt, indem der Dickdarm vorne auf dem Bauch nach außen geleitet wird. (normalerweise im linken unteren Bereich des Bauches). Meist befindet sich dieses Dickdarmstoma - auch Kolostomie genannt - im linken unteren Bereich des Bauches. Früher war diese Operation die übliche Behandlung bei Analkrebs, wird aber heutzutage nicht mehr so häufig durchgeführt, da die Strahlentherapie mit oder ohne Chemotherapie als gleich effektiv eingestuft wird und die Kolostomie unnötig macht. Gleichzeitig oder in einer zweiten Operation können auch Lymphknoten entfernt werden (Lymphknoten Dissektion). Wurde eine Kolostomie durchgeführt, muss der Patient einen speziellen Beutel tragen, um den Stuhl aufzufangen. Dieser Beutel hat eine hautschonende Haftfläche, mit der er um den künstlichen Ausgang auf den Bauch geklebt wird. Wenn er gefüllt ist, wird er wie ein Pflaster von der Haut abgezogen, in die Toilette entleert und wie Windeln in den Hausmüll geworfen. Die heutigen Stomaversorgungsartikel sind flach anliegend, sicher haftend und geruchsdicht, so dass kein Außenstehender erkennen kann, dass jemand ein Stoma hat. Die Versorgung eines Stomas ist technisch gut zu erlernen und in der Regel kümmern sich die Patienten selbst um die Versorgung.

Die Strahlentherapie setzt hochenergetische Röntgenstrahlen zum Abtöten von Krebszellen und zur Tumorverkleinerung ein. Die Strahlen können von einer Maschine außerhalb des Körpers (externe Strahlentherapie) kommen oder von radioaktiv strahlendem Material (Radioisotope), das durch kleine Plastikröhrchen in den Bereich eingeführt wird (innere Bestrahlungstherapie), in dem Krebszellen gefunden wurden. Bestrahlung kann allein oder in Kombination mit anderen Behandlungen erfolgen.

Bei der Chemotherapie werden zur Abtötung der Krebszellen Medikamente eingesetzt. Chemotherapie kann in Tablettenform eingenommen werden, oder sie wird dem Körper direkt über eine Vene oder in den Muskel zugeführt. Chemotherapie wird auch "Systemische Therapie" genannt, da sich die Medikamente über die Blutbahnen im ganzen Körpers verteilen und so den Krebs an jeder Stelle des Körpers bekämpfen können. Einige Medikamente der Chemotherapie können die Krebszellen für eine Strahlentherapie empfindlicher machen. Eine Kombination von Strahlen- und Chemotherapie kann Tumore schrumpfen lassen, so daß eine "Abdominoperineale Resektion" umgangen werden kann. Wird nur eine kleine Operation nötig, so kann normalerweise der Schließmuskel gerettet werden.

 

Behandlung je nach Stadium

Die Behandlung des Analkrebs ist abhängig von der Art des Krebs, seinem Stadium, dem Alter des Patienten und dessen allgemeinem Gesundheitszustand.

Sie erhalten eventuell eine Therapie, die auf Grund ihrer Wirksamkeit bei zahlreichen Patienten in vorausgegangenen Studien als Standard bezeichnet wird, oder Sie entschließen sich zur Teilnahme an einer klinischen Studie. Nicht alle Patienten werden mit der Standardtherapie geheilt, und einige Standardbehandlungen haben auch mehr Nebenwirkungen als erwünscht. Um bessere Behandlungsmethoden für Krebspatienten herauszufinden, gibt es klinische Studien, die auf den neuesten Erkenntnissen basieren. Klinische Studien werden in den meisten Ländern für die meisten Stadien des Analkrebs durchgeführt. Wenn Sie mehr über klinische Studien wissen wollen, fragen Sie bitte Ihren Arzt.

 


STADIUM 0 DES ANALKREBS

Die Behandlung wird wahrscheinlich eine lokale Resektion sein, um den Tumor komplett zu entfernen.

 


STADIUM I DES ANALKREBS

Die Behandlung kann eine der folgenden sein:
1. Lokale Resektion um den Tumor komplett zu entfernen.
2. Strahlentherapie mit oder ohne Chemotherapie. Bei einigen Patienten kann auch eine innere Strahlentherapie erfolgen.
3. Verbleiben nach einer Therapie Krebszellen, kann eine zusätzliche Operation zur Entfernung des Anus und dem unteren Teil des Rektums nötig sein. Ein künstlicher Darmausgang wird dann angelegt.
4. Verbleiben nach einer Therapie Krebszellen, kann eine zusätzliche Chemotherapy mit Strahlentherapie nötig sein.
5. Äußere Bestrahlung gefolgt von innerer Bestrahlung.

 


STADIUM II DES ANALKREBS

Die Behandlung kann eine der folgenden sein:
1. Lokale Resektion um den Tumor komplett zu entfernen.
2. Strahlentherapie mit Chemotherapie. Bei einigen Patienten kann auch eine innere Strahlentherapie erfolgen.
3. Verbleiben nach einer Therapie Krebszellen, kann eine zusätzliche Operation zur Entfernung des Anus und dem unteren Teil des Rektums nötig sein. Ein künstlicher Darmausgang wird dann angelegt.
4. Verbleiben nach einer Therapie Krebszellen, kann eine zusätzliche Chemotherapy mit Strahlentherapie nötig sein.

 


STADIUM III-A DES ANALKREBS

Die Behandlung kann eine der folgenden sein:
1. Strahlentherapie mit Chemotherapie.
2. Operation, in der die Gewebsschichten, die den Dickdarm und den Magen umgeben, sowie die Lymphknoten entfernt werden. Anschließend wird eine Bestrahlung durchgeführt.

 


STADIUM III-B DES ANALKREBS

Die Behandlung kann aus einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie mit anschließender Operation bestehen. Abhängig von der verbleibenden Menge an Tumorgewebe nach der ersten Strahlen- und Chemotherapie erfolgt eine Operation, um den Anus und den unteren Teil des Rektums zu entfernen. Während der Operation können auch die Lymphknoten in der Leiste entfernt werden (Lymphknoten Dissektion).

 


STADIUM IV DES ANALKREBS

Die Behandlung kann eine der folgenden sein:
1. Operation zur Linderung von Beschwerden.
2. Strahlentherapie zur Linderung von Beschwerden.
3. Eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie zur Linderung von Beschwerden.
4. Teilnahme an einer klinischen Studie.

 


REZIDIVIERENDER ANALKREBS

Die Behandlung ist abhängig von der Erstbehandlung des Patienten. Wurde der Patient chirurgisch behandelt, erhält im Falle eines Rezidivs möglicherweise eine Strahlentherapie. Wurde der Patient mit einer Strahlentherapie behandelt, wird er möglicherweise operiert. In klinischen Studien werden neue Medikamente allein oder in Zusammenhang mit einer Strahlentherapie untersucht. Ein Patient kann zusätzlich eine Strahlen- und Chemotherapie erhalten.

 


ÜBERSICHT ÜBER PDQ

PDQ ist eine umfassenede Krebsdatenbank. Sie ist verfügbar unter www.meb.uni-bonn.de/cancernet.

PDQ ist das umfassende Informationssystem des National Cancer Institute´´´´s der USA (NCI) über Krebs. PDQ ist fast vollständig unter "Http: //www.meb.uni-bonn.de/cancernet/" verfügbar. PDQ ist ein Service des NCI. Das NCI ist ein Teil des National Institutes of Health in the USA, eine Bundeseinrichtung für Biomedizinische Forschnung.

PDQ enthält Zusammenfassungen zum Thema Krebs.

Die PDQ (Physicians Data Query) Datenbank enthält aktuelle Informationen über Krebs, seine Vorbeugung, den Nachweis von Krebs, Genetische Informationen, die Behandlung, unterstützende Maßnahmen und alternative Therapiemöglichkeiten. Die meisten Dokumente sind in zwei Versionen verfügbar. Eine Version für Ärzte, die in medizinischer Fachsprache geschrieben ist, und ausführliche Fachinformationen enthält. Eine Version für Patienten, die in Laiensprache verfasst und einfach zu verstehen ist. Beide Versionen enthalten aktuelle und detaillierte Informationen zum Thema Krebs.

PDQ Krebsinformationen werden von Fachleuten entwickelt und regelmäßig aktualisiert.

Die Autoren sind Spezialisten auf dem Gebiet Krebs und angrenzenden Gebieten. Sie sind für die Erstellung und Aktualisierung verantwortlich. PDQ wird aktualisiert, sobald neue Informationen vorliegen. Überprüfen Sie anhand des Datums der letzten Aktualisierung, ob Sie wirklich die neuesten Informationen vor sich haben.

PDQ enthält auch Informationen über Klinische Studien.

Bevor eine Behandlung begonnen wird, sollte die Möglichkeit einer Teilnahme an einer Klinischen Studie mit dem Patienten besprochen werden. Klinische Studien sollen helfen, Fragen bezüglich einer Therapieverbesserung zu beantworten. Der Inhalt der Klinischen Studien basiert auf den Ergebnissen von vorangegangenen Studien und Erkenntnissen aus den Labors. Jede Klinische Studie beantwortet wissenschaftliche Fragen zur Verbesserung der Krebstherapie. Während einer Klinschen Studie werden Informationen über die Behandlung, die Nebenwirkungen, die Risiken und den Behandlungserfolg gesammelt. Zeigt eine Klinische Studie, daß die getestete Behandlung besser ist als die alte, wird die neue Behandlung für alle Patienten übernommen.

Eine Auflistung vieler nationaler und internationaler klinischen Studien ist Bestandteil des PDQ. Beschreigungen der Klinischen Studien sind sowohl für Ärzte als auch für Patienten erhältlich. Viele Ärzte, die bei klinischen Studien mitwirken, sind im PDQ aufgelistet. Wenn Sie mehr über klinische Studien wissen wollen, fragen Sie bitte Ihren Arzt.

 


Um mehr über Krebs und seine Behandlung, oder um mehr über klinische Studien bezüglich Ihrer Krebsart zu erfahren, rufen Sie bitte in Deutschland den "Krebsinformationsdienst (KID)" in Heidelberg, Tel.: (0049) (0)62 21 41 01 21 oder Fax: (0049) (0)62 21 40 18 06, in Österreich die "Krebshilfe": Tel.: (0043) (0)1 796 64 50-15 oder Fax: (0043) (0)1 796 64 50-9 und in der Schweiz die "Schweizerische Krebsliga", Tel.: 0800 55 88 38 (Http: //www.swisscancer.ch/). Entsprechend geschulte Spezialisten werden Ihre Fragen zum Thema Krebs beantworten.
Datum der letzten Aktualisierung: 02/2002

Übersetzung: Dr. G. Quade, S. Schnaittacher, B. Burde, Anna-Katharina Littmeyer M.A., CaNetTransTool by B.Burde, IMBIE, Universitätsklinik Bonn(Germany), Maria Hass (Deutsche ILCO e.V)